Chronik der 80er Jahre

Schach – Dresden im Aufbruch.

 

Die Chronik der 80er Jahre

 

 

von Manfred Kalmutzki, Ehrenpräsident des Dresdner Schachbundes e. V.

 

Anfang der 80er Jahre existierten in Dresden 22 Schachsektionen mit 843 Mitgliedern,

 

darunter 153 Jugendliche und 188 Kinder, die zumeist in Betriebssportgemeinschaften

 

verankert waren (Anlage 1).

 

 

Die leistungsmäßig stärkste Sektion war die BSG Post Dresden, die immer in der Sonderliga vertreten war. In der Oberliga spielten Lokomotive und Post II, in der DDR-Liga Pentacon und Lokomotive II (Anlage 2). Auf Bezirksebene waren 12 Mannschaften im Einsatz (Anlage 3), auf Stadtebene 29 Mannschaften.

 

 

Insgesamt spielten bei den Erwachsenen von der Kreisklasse, d.h. von den Stadtbezirksklassen bis zur Sonderliga 46 Mannschaften (Anlage 4). In jeder Sektion gab es Nachwuchsabteilungen, die von ausgebildeten Übungsleitern geleitet wurden. Besonders vorbildlich organisiert und von nahezu pädagogischer Perfektion war die Nachwuchsarbeit bei Post Dresden.

 

 

Trotz dieser sehr positiven Bilanz, die wiederholt vom DSV gewürdigt wurde, hätten alle diese Initiativen nicht dazu geführt, den Politbürobeschluss aus dem Jahr 1972 aufzuheben. Nach diesem Beschluss gehörte die Sportart Schach zu den nichtolympischen Disziplinen, die nicht an Weltmeisterschaften teilnehmen durften.Das war natürlich ein großes Hindernis besonders für die Nachwuchsentwicklung, weil dadurch für viele Kinder und Jugendliche der Anreiz fehlte.

 

 

Im Rahmen der politischen Möglichkeiten wurde jedoch nichts unversucht gelassen, immer wieder auf das Problem aufmerksam zu machen. Dazu diente besonders die Dresdner Schachkonferenz (Anlage 5). Und es war für manche der anwesenden Pädagogen schon sehr interessant, dass so bedeutende Persönlichkeiten wie Marx, Lenin, Thälmann und Goethe die persönlichkeitsbildenden Werte des Schachs als Methode zur Erkenntnis dialektischer Prozesse und als Mittel zur Bereicherung des Unterrichts aufgezeigt haben.

 

 

Die Konferenz fand ein breites Echo bei führenden Persönlichkeiten der Stadt Dresden, in der Volksbildung und auch beim Präsidenten des DSV, Werner Barthel, der die Schachkonferenz im Leitartikel in der Zeitschrift „Schach“ 8/83 als für den ganzen Schachverband gültiges Beispiel wertete. Die Beschlüsse wirkten sich sehr positiv auf die Nachwuchsarbeit aus. Es gab danach auch viele Initiativen, die vielleicht in dem Artikel (Anlage 6) am besten zum Ausdruck kommen. Aber wie in jeder Sportart brauchen Kinder und Jugendliche Vorbilder, denen sie nacheifern können. Welche Chancen bestanden denn für unsere Nachwuchstalente, sich internationale Schachtitel zu erkämpfen, wenn sie nur auf DDR-Ebene oder bestenfalls in Freundschaftskämpfen mit Mannschaften aus Ostrava, Olomouc, Leningrad, Teplice oder Budapest zum Einsatz kamen? Es musste in dieser Situation einfach etwas passieren.

 

 

Und so wurde 1983 eine Idee geboren. Ausgangspunkt waren die 3 Einladungsturniere der BSG Post, die von 1981 bis 1983 in Dresden stattfanden (Anlage 7). Diese Turnier fanden im Prinzip im „stillen Kämmerlein“ statt, das letzte in einem Kellerraum der Pädagogischen Hochschule. Diese Turniere sollten aus der Versenkung herausgeholt und in die Öffentlichkeit gebracht werden. Und der Stadtfachausschuss (SFA) wollte natürlich die Gelegenheit nutzen, das Hauptturnier mit weiteren Turnieren des Freizeit- und Erholungssports (heute bekannt als Breitenschachturniere) zu umrahmen. Der SFA beschloss in Auswertung der Dresdner Schachkonferenz die Durchführung des Dresdner Schachfestivals `84. Das war die Geburtsstunde der Dresdner Schachfestivals.

 

 

Vom 13. – 21.10.1984 nahmen am Internationalen Einladungsturnier (es war gewissermaßen

 

das 4. Post-Turnier) und an drei Leistungsklassenturnieren (Lk 2, Lk 3 und Lk 4/5) in der

 

Hochschule für Verkehrswesen „Friedrich List“ Dresden allein 90 Wettkämpfer teil. Es gab

 

das Debüt der jeweils 1. Familien- und Seniorenturniere (letzteres damals noch als

 

Veteranenturnier bekannt geworden). Und außerdem wurde das Werner-Seelenbinder-

 

Gedenkturnier (ein Simultan der Großmeister an 100 Brettern), ein Freundschaftskampf von

 

Post Dresden gegen Leningrad, die Dresdner Blitz-Mannschaftsmeisterschaft

 

(17 Mannschaften) und viele weitere Aktivitäten des Nachwuchses, nichtaktiver Spieler

 

und der Problemschachfreunde mit in das Festivalprogramm aufgenommen (Anlage 8).

 

 

Faltblatt des 1. Dresdner Schachfestivals 1984 (ist in Anlage 8 komplett abgedruckt)

 

 

Dieses 1. Dresdner Schachfestival, das mehr als 1000 Aktive an die Bretter brachte

 

(Pressemeldung Anlage 9), gab den Organisatoren Mut zum Weitermachen. Die Resonanz

 

war dermaßen groß, dass mit der Auswertung des Turniers sofort die Vorbereitung des

 

nächsten Schachturniers in Angriff genommen wurde.

 

 

 

 

 

 

Dieses als Dresdner Eisenbahner-Schachturnier ´85 (Anlage 10) in die Geschichte eingegangene Turnier wurde in

einen zweiwöchigen Zeitrahmen gefasst. Es hatte Festivalcharakter, weil wiederum neben den Leistungs- auch

viele Breitenschachturniere im Programm enthalten waren. Das gleiche Organisationsbüro wie 1984 war wieder

dabei und mit der Reichsbahndirektion Dresden stand neben der Hochschule für Verkehrswesen ein weiterer

zuverlässiger Partner zur Verfügung.

 

 

 

 

1986 wurde als große Dresdner Schachveranstaltung nur das VI. Internationales Einladungsturnier der BSG Post Dresden durchgeführt.

 

 

 

Danach beschloss der SFA die Durchführung eines 2. Dresdner Schachfestivals im Jahre 1987 (Arbeitsprogramm 1987 zur weiteren Entwicklung des Schachsports in der Stadt Dresden vom 17.1.1987). Das wurde dann auch wieder im Stile der Turniere von 1984 und 1985 organisiert, d. h. mit mehreren Leistungs- und Breitenschachturnieren.

 

 

Die Ideen zur Organisation des 3. Dresdner Schachfestivals (Anlage 11) mit gleichzeitiger Durchführung eines Spezialkurses an der Technischen Universität über „Die Bedeutung des Schachs für Erziehung, Wissenschaft und Kultur“ entstanden in der Funktionärs-Weiterbildung vom 4.-6.1.1988 in Gohrisch. (Protokoll der Funktionärs-Weiterbildung in Gohrisch vom 4.-6.1.1988).

 

 

Dieser erstmals aufgenommene Spezialkurs war die neue Qualität, die dem 88’er Festival die Note der Außergewöhnlichkeit verlieh. Und es ist das uneingeschränkte Verdienst von Kursusdirektor Dr. Michael Schmidt, im SFA ehrenamtlich als „Verantwortlicher für Internationale Arbeit“ tätig, dass diese bedeutsame Veranstaltung zum Höhepunkt der Dresdner Schachpolitik der 80’er Jahre wurde (Anlage 12).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kursdirektor Dr. Michael Schmidt eröffnet den Spezialkurs Fotos Renate Ruhnau

 

an der Technischen Universität (vorn links FIDE-Präsident

 

Florencio Campomanes)

 

 

Über dieses Ereignis wird noch mal in einem besonderen Report berichtet werden.

 

 

Viele weitere Schachfunktionäre haben sich in den 80’ er Jahren in Dresden für das Schach engagiert. In allen Schachfestivals lag die Gesamtleitung beim Vorsitzenden des SFA, Manfred Kalmutzki. Viele Funktionäre, die bereits bei der Studenten-WM 1969 im Einsatz waren, haben auch in den Jahren des Aufbruchs ihre Erfahrungen für die unterschiedlichsten Aufgaben zur Verfügung gestellt. Das waren Hans-Dieter Lange, Dr. Gerhard Schmidt, Stefan Glasewald, Eberhard Immisch, Werner Schreyer, Ralf Wadewitz, Gerhard Großmann, Eberhard Warnke, Hans-Wolfgang Walther, Franz Hanske, Dietmar Daniel, Egon Hartmann, Eberhard Klugert, Horst Golbs, Hans-Winfrid Krämer u. a.

 

 

Beim 4. Dresdner Schachfestival `89 kamen außer der Wiederholung des Spezialkurses an der TU über „Die Bedeutung des Schachs für Erziehung, Wissenschaft und Kultur“ erstmalig die Damen mit einem Internationalen Turnier zu ihrem Debüt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Großmeisterschach Foto: Renate Ruhnau

 

Das 5. Dresdner Schachfestival `90 war ein Anreihung von zu unterschiedlichen Terminen durchgeführten Leistungs- und Breitenschachturnieren. Die Dresdner Schachturniere von 1892 - 1990 sind in Anlage 13 aufgeführt.

 

 

 

 

 

 

 

Familienschach Seniorenschach Großsimultan

 

Foto: Renate Ruhnau

 

In dieser Übersicht sind auch alle in die Festivals eingebetteten Turniere des Breitenschachs enthalten. Die Organisatoren hatten von Beginn an festgeschrieben, dass der Titel „Festival“ nur dann zu Recht besteht, wenn die gesamte Palette des Leistungs- und Breitenschachs einbezogen und angeboten wird. Diese einzigartige Synthese von Leistungs- und Breitenschach ist das entscheidende Merkmal, das allen Dresdner Schachfestivals von 1984 bis heute auszeichnet und ihm die höchste Qualitätsnote bescheinigt. Es sollten Veranstaltungen sein, an der jeder Dresdner mindestens einmal die Gelegenheit haben sollte, selbst daran teilzunehmen.

 

Die Rahmenturniere werden noch in einem besonderen Kapitel des Dresdner Schachs der 80’er Jahre gewürdigt.

 

Im Jahre 1990 hatte der SFA zunächst mal mit seiner Neuformierung zu tun, indem schließlich der Dresdner Schachbund als eingetragener Verein entstand. Und es wurde auch, wie es in Protokollen nachzulesen ist, das Ereignis „100 Jahre Dresdner Schachturniere“ im Jahre 1992 als neuer Höhepunkt für ein weiteres Schachfestival in den Beratungen angesprochen. Die konkrete Vorbereitung erübrigte sich aber, weil der neugebildete Verein „Dresdner Schachfestival e. V.“ diese strategische Aufgabe selbständig weiterführte.

 

Es ist an dieser Stelle realistisch einzuschätzen, dass nur diese neue von Professionalität und Management geprägte Organisationsform das Gütezeichen der Dresdner Schachfestivals der 90er Jahre bis heute geworden ist. Fast alle Mitglieder auch des heutigen ZMD-Schachfestival Dresden e. V. mit Dr. Dirk Jordan, Falk Sempert und Andreas Schneider an der Spitze sind gleichzeitig Mitglied im Dresdner Schachbund e. V. und organisieren inzwischen noch viele andere Schach-Events in Dresden.

 

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